Wertschätzungsbewusstsein
Wertschätzung ist kein Luxus, sondern die Basis einer gesunden Gesellschafts- & Wirtschaftskultur
In einer Zeit, in der Fachkräftemangel, Sinnsuche und gesellschaftliche Umbrüche gleichermaßen spürbar sind, rückt ein Thema immer stärker in den Mittelpunkt: Wertschätzung.
Doch Wertschätzung ist mehr als ein freundliches Wort oder ein symbolisches Dankeschön. Sie betrifft unseren Umgang miteinander in allen Lebensbereichen – privat, beruflich, gesellschaftlich.
Und sie ist ein zentraler Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft: wirtschaftlich, menschlich und kulturell.
Wertschätzung hat viele Formen und oft nur eine Sprache
Wertschätzung kann auf ganz unterschiedliche Weise ausgedrückt werden:
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- durch respektvollen Umgang
- durch echtes Gesehenwerden
- durch Tausch von Dienstleistungen
- durch Aufmerksamkeit und Zeit
- und auch durch monetären Ausgleich
Gerade im beruflichen Kontext wird jedoch deutlich:
Geld ist nicht die einzige Form von Wertschätzung – aber oft die sichtbarste.
Denn ein Honorar ist nicht nur eine Zahl. Es ist auch eine Botschaft:
„Deine Arbeit ist etwas wert.“
Selbstwert und Wertschätzung hängen zusammen, besonders bei Frauen
In unserer Austauschgruppe wurde eine zentrale Beobachtung deutlich:
Die Wertschätzung, die wir im Außen erfahren, scheint eng mit unserem inneren Selbstwert verbunden zu sein.
Und genau hier liegt eine gesellschaftliche Schieflage.
Vor allem Frauen lernen bereits in der Kindheit, sich anzupassen, zu geben, zu helfen – und dabei die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zurückzustellen. Selbstbewusstsein wird oft weniger gefördert als Bescheidenheit.
Das Resultat zeigt sich später im Berufsleben:
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- Frauen verlangen weniger
- bieten mehr an
- entschuldigen sich für ihre Preise
- und zweifeln schneller an der eigenen Berechtigung
„Für ein Hobby nimmt man doch kein Geld“ – Ein weit verbreiteter Irrtum
Ein besonders schmerzhafter Satz taucht immer wieder auf, wenn Frauen beginnen, ihre Berufung zu leben:
„Das macht dir doch Spaß – warum willst du dafür Geld?“
Gerade Tätigkeiten, die aus Leidenschaft entstehen – Coaching, Kreativität, Begleitung, energetische oder soziale Arbeit – werden oft nicht als „echte Arbeit“ anerkannt.
Doch die Wahrheit ist:
Berufung ist kein Hobby. Berufung ist Kompetenz plus Erfahrung plus Verantwortung.
Dass etwas Freude macht, bedeutet nicht, dass es keinen Wert hat. Im Gegenteil: Oft sind es genau diese Fähigkeiten, die Menschen am tiefsten berühren und nachhaltig verändern.
„Wer wenig Geld hat, bekommt wenig Wertschätzung“ – Ein gefährlicher gesellschaftlicher Spiegel
Ein Satz aus unserer Diskussion blieb besonders hängen:
„Wer wenig Geld hat, kriegt wenig Wertschätzung. Wer viel Geld hat, bekommt auch viel Wertschätzung.“
Das zeigt, wie sehr monetäre Bewertung in unserer Kultur mit menschlichem Wert verwechselt wird.
Doch eine gesunde Gesellschaft kann nicht davon abhängig sein, wie viel jemand besitzt.
Die entscheidende Frage lautet:
Wie definieren wir Wert – jenseits von Status und Einkommen?
Warum „Spendenbasis“ oft nicht funktioniert
Viele Frauen, besonders in helfenden Berufen, versuchen neue Wege: „Zahl, was es dir wert ist.“
Doch die Realität zeigt: Das funktioniert selten langfristig. Nicht, weil Menschen nicht geben wollen – sondern weil viele verlernt haben, Wert einzuschätzen. Sie brauchen Orientierung.
Ein klarer Preis ist nicht hart – er ist hilfreich.
Er schafft Transparenz, Stabilität und Sicherheit.
Unsichtbare Arbeit sichtbar machen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass viele Leistungen, die Frauen anbieten, mehr als die reine Dienstleistung beinhalten.
Zum Beispiel:
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- emotionale Präsenz
- Vor- und Nachbereitung
- Raumhalten
- das Öffnen privater Räume
- energetische Verantwortung
- Reinigung, Organisation, Infrastruktur
Wenn man einen Seminarraum mietet, zahlt man selbstverständlich dafür, dass er sauber, vorbereitet und passend ist.
Warum sollte das in privaten Businessräumen plötzlich „gratis“ sein?
Auch Fürsorge, Atmosphäre und Raum sind Leistungen.
Die vergessene Weisheit der Pensionierten
Ein weiterer gesellschaftlicher Schatz bleibt oft ungenutzt:
Menschen, die offiziell „in Pension“ sind, tragen oft jahrzehntelange Erfahrung, Lebenswissen und Reife in sich.
Wie können wir diese Weisheit wertschätzen – nicht nur symbolisch, sondern real?
Eine lebendige Wirtschaft braucht nicht nur Innovation, sondern auch Erfahrungstransfer zwischen Generationen.
Wenn Menschen unter Wert arbeiten und andere nicht mehr leben können
Ein sensibles Thema betrifft auch den Markt selbst: Manche bieten Dienstleistungen weit unter Wert an, weil sie finanziell abgesichert sind durch Eigentum oder Einkommen aus anderen Branchen.
Andere hingegen müssen von dieser Arbeit leben und verlieren Kunden, weil sie realistische Preise verlangen.
Das führt zu einem unfairen Wettbewerb und langfristig zu einem Verlust an Qualität und Professionalität.
Mut zur eigenen Wertigkeit
Diese Gedanken sind eine Einladung besonders an Frauen:
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- den eigenen Selbstwert nicht länger kleinzuhalten
- die eigene Arbeit nicht zu rechtfertigen
- klare Energieausgleiche als gesund zu betrachten
- und sich gegenseitig zu stärken statt zu unterbieten
Denn: Eine neue Wertegesellschaft entsteht nicht nur durch Zahlen, sondern durch Bewusstsein.
Und Wertschätzung beginnt nicht im Außen. Sie beginnt in uns.